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Berlingeschichten
von Christa Block


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Eine Lesung am
10. Mai 2016

 

Hier eine kleine Leseprobe:

Füchse und Eisbären in Berlin von Christa Block 2012

Vor ein paar Wochen stand ich im Ostbahnhof und wartete auf meinen wieder einmal zu spät kommenden Bus. Es regnete und ich flüchtete in die große Halle und stand direkt vor dem Fan-Artikel-Laden für Berliner Sportvereine. Ich wurde gleich an Tiere in Berlin erinnert, über die ich ja schon einmal geschrieben hatte. Vor allem über den Fuchs, der in einem Geschäft die Chips gestohlen hatte.
Jetzt schwärme ich eher für andere Füchse, aber auch Eisbären sind mir lieb. Von beiden findet man viele in Berlin und nicht nur in unseren Straßen oder im Tierpark.
Schon vor einigen Jahren habe ich den Handball für mich entdeckt. Nein, ich selbst treibe keinen Sport. Ich sitze vor dem Fernseher und schaue mir den sportlichen Wettkampf an. Und wenn dann die „Füchse“ mit ihrem Torwart, den ich „Oberfuchs“ nenne und der eigentlich Heinevetter heißt, am gewinnen sind, jubele ich laut, obwohl sie mich gar nicht hören können. Am Anfang meiner Handballleidenschaft war ich eher für die Mannschaft von THW Kiel oder für Hamburg, aber dann machte sich doch ein wenig Patriotismus bemerkbar und ich schwenkte um zu den Füchsen.
Der Verein der heutigen Füchse wurde bereits 1891 als MTV Reinickendorf gegründet. Es gab Fusionen mit anderen Sportvereinen und Umbenennungen und ab 1947, also seit 65 Jahren, führt er den Namen „Füchse Berlin“. 
Ihr Spielort ist die Max-Schmeling-Halle Berlin und manchmal habe ich bei dem einen oder anderen Spiel den Eindruck, daß sich die Handballer den Boxer Max Schmeling zum Vorbild genommen haben. Nicht weil sie boxen, aber so manchmal bleibt auch eine Faust stehen, damit der Gegner mit ihr in Berührung kommt oder sie nehmen ihren Widersacher fest in den Arm, damit er sich nicht wehren kann, bzw. an den Ball kommt. Aber das ist wohl bloß meiner Phantasie zuzuschreiben.
Knapp 2.500 Mitglieder zählt der Verein und fast ebenso viele richtige Füchse stromern durch Berlin und so kann man schon mal damit rechnen, daß einem am frühen Morgen ein Fuchs auf der Suche nach Futter über den Weg läuft oder aber auch ein Vereins-Fuchs. Doch den würde man ja nicht auf Anhieb erkennen, außer er trägt die übliche Fan-Bekleidung.
Aber von den Füchsen nun zu den Eisbären, die auch keine Eisbären sind, sondern Eishockey-Spieler. Die gab es jedoch erst, als es die DDR nicht mehr gab.
Vorher hieß der Verein, der 1954 gegründet wurde, schlicht und einfach SC Dynamo Berlin.
Die erste Spielstätte war die Werner-Seelenbinder-Halle und ab der Saison 1957 spielten sie im Sportforum Hohenschönhausen. Uns ist dieser Verein näher gekommen, als unser Sohn zehn Jahre später Interesse für den Eishockey-Sport zeigte. Es zog ihn mehrere Jahre gleich nach Schulschluß in die Eishalle zum Training und am Wochenende zu Spielen.  
Unser Interesse galt jedoch eher den Großen als den Kleinen. Noch heute sind uns die Namen Dietmar Peters, Rainer Patschinski, Joachim Ziesche, René Bielke und vor allem Reinhard Fengler bestens bekannt. Vor allem letzterer hatte wohl großen Anteil daran, daß unser Sohn Eishockey spielen wollte. Sein Schulfreund und Bruder des großen Reinhard Fengler, des späteren  Stürmer unserer Nationalmannschaft, übte und trainierte mit ihm auf der Eisfläche das Laufen, das Puck-Führen und das Tore schießen. Beide, Bruder des Nationaltspielers und sein Freund, unser Sohn, sind nicht zu Ehren gekommen in dieser Sportart. Sie waren zu klein, zu schwach, eben keine athletischen Typen. Wenn sie sich der Sportklamotten – von den großen Spielern geerbte Hosen und Shirts – entledigten,  blieben zwei schmächtige Knaben übrig. Aber solange sie konnten und durften, gaben auch sie sich fleißíg dem Training und den Spielen hin.
Aber sie waren ja noch keine Eisbären.
Die tauchten dann erst 1992 auf und die Taufe auf den neuen Namen hatte auch den Grund, die notwendigen Sponsoren mit dem alten Namen Dynamo nicht abzuschrecken.
Heute gibt es wohl mehr Fan-Mitglieder als Mitglieder im Sportclub und es ist Kult, den Eishockey-Spielern in der O2-Welt zuzusehen. 14.200 Plätze bietet die Halle und fast immer ist sie bei den Spielen ausverkauft. Doch auch hierzu kann ich nur sagen, daß ich maximal vor dem Fernseher sitze und mir die Übertragung eines Spieles ansehe. Es ist eben billiger.
Auch das Anschauen richtiger Eisbären ist in Berlin teurer geworden. Ob Zoo oder Tierpark – ich verzichte. Mir reichen eben die Anhänger des Vereins, die an ihren Trikots oder Schals zu erkennen sind.
Und noch bevor mein Bus dann doch noch erschien, hatte ich schon die Halle des Ostbahnhofes und den Fan-Shop verlassen, denn auch die Preise der dort angebotenen Artikel übersteigen meinen Geldbeutel und so weit geht eben denn  doch meine Liebe zum Sport und zu den Tieren nicht.